Kathleen Herr für den Landesvorstand!

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Unsere Mainzerin Kathleen Herr kandidiert auf der kommenden Landeskonferenz in Trier für den Landesvorstand der Jusos Rheinland-Pfalz! Das freut uns sehr und wir unterstützen sie dabei voll und ganz. Warum Kathleen im Landesvorstand mitarbeiten und was sie dort bewegen will, lest Ihr hier:

Liebe Genoss*innen,

seit mehr als zwei Wochen taucht das Thema Sozialismus täglich als verkürzte Schlagzeile à la Kollektivierung von BMW in jeder Zeitung auf, die in der Branche Rang und Namen hat und bestimmt den Newsfeed in den Social Media-Kanälen. Historiker*innen werden sich in wenigen Jahrzehnten die Hände reiben, wenn es um die Darstellung der politischen Wende des Jahres 2019 mit dem Rückzug Angela Merkels geht. Nun werfen wir Jusos für gewöhnlich keinen Blick in die Glaskugel, wenn wir politische Entscheidungen treffen. An Tagen wie diesen aber lohnt die Überlegung, ob das, was wir gerade tun, so entscheidend sein könnte, dass wir die Stelle, an der wir stehen, als Weggabelung begreifen und Erwartungen und Ideen formulieren müssen.

In Zeiten der fortgesetzten Großen Koalition wirkt die Debatte über den demokratischen Sozialismus noch einmal mehr wie Balsam. Die Vermögen sind seit der Wiedervereinigung stark ungleich verteilt, die niedrigen Arbeitslosenzahlen dürfen nicht über ungerechte Entlohnung und teils prekäre Arbeitsbedingungen hinwegtäuschen, Wohnen ist für Menschen der mittleren Einkommensschicht bereits nicht mehr zu stemmen, jedes fünfte Kind lebt in Armut und unser Bildungssystem sorgte lange vor den PISA-Bekanntmachungen dafür, dass der soziale Status weitgehend von den Eltern an die Kinder weitergegeben wird. Wohlgemerkt ist das ein kleiner Auszug der menschlichen Nöte und da soll oder darf man nicht bereit sein, den Kapitalismus zu kritisieren, weil er in seiner Ausprägung der sozialen Marktwirtschaft eine Errungenschaft unseres Landes ist? Mit diesem Argument verunmöglicht man Debatten und einen Lösungsansatz: das System mittels Demokratie verändern – den Kapitalismus mittels Reformen überwinden und den demokratischen Sozialismus aufbauen. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich gern zurück an mein erstes Jahr bei den Jusos Mainz, als ich als Vorsitzende die Veranstaltung zur gerechten Vermögensverteilung mitorganisiert habe und fühle mich bestätigt. Wir brauchen mehr Debatten, die diesen Fragen auf den Grund gehen!

Neben dem Thema Sozialismus möchte ich mich im Landesvorstand für den Feminismus stark machen. So wie wir keine populistischen Aussagen treffen, wenn wir über ein gerechtes Leben durch und im Sozialismus reden, genauso wenig lassen wir uns als Spinner*innen bezeichnen, wenn wir uns zur Wehr setzen, nachdem wir in Diskussionen ungebeten die Welt erklärt bekommen, begrabscht werden oder nicht den gleichen Lohn für unsere Arbeit erhalten. Von Arbeit bis Zuhause: Ich möchte, dass jedes Mädchen und jede Frau frei und selbst entscheiden kann, wie sie ihr Leben führt und dafür muss sie die gleichen Chancen erhalten und gleichbehandelt werden. Es mag wie eine tausendste Wiederholung klingen, aber solange dieser Zustand nicht erreicht ist, können wir nicht von einer freien, gerechten und solidarischen Gesellschaft sprechen, sondern müssen sie einfordern und das weltweit! Wenn ich die Nachrichten anschalte und vom Abtreibungsverbot in Alabama höre, oder von den Protesten iranischer Frauen gegen die Zwangsverschleierung, dann wird mir klar, dass der Kampf von Frauen für unser Recht auf freie Bestimmung über uns selbst und unsere Körper ein entscheidender ist und uns alle eint. Ich erinnerte mich, wie ich mich mit anderen Frauen bei einem Feministischen Kneipenabend im letzten Jahr über Margaret Atwoods The Handmaid’s Tale ausgetauscht habe und erkenne, dass der Versuch über Frauen und ihre Körper zu bestimmen, keine bittere Fiktion, sondern zynische Realität ist. Schließen wir uns zusammen, bilden wir Netzwerke und bauen wir eigene Frauen-Mentoring-Programme auf – für eine freie Gesellschaft für alle und nicht minus Frauenrechte!

Nicht nur der demokratische Sozialismus oder der Feminismus und Fragen internationaler Frauenrechte sind in aller Munde, auch die jüngste Mitte-Studie erregt derzeit die Gemüter. Kritiker warfen den Forscher*innen vor, die Fragen falsch zu stellen und somit keinen Rechtsextremismus zu messen. Die große Mehrheit der Deutschen weiß, dass der Nationalsozialismus menschenverachtend war, der systematische Mord an den europäischen Jüdinnen und Juden auf ihren biologistisch begründeten Antisemitismus zurückgeht und die Leugnung dieses Verbrechens in Deutschland unter Strafe steht. Es ist also sozial erwünscht, dass jemand auf die Frage, ob er*sie Juden nicht mag, mit Nein antwortet. Dennoch erhalten antisemitische Aussagen und Verschwörungstheorien in den Studien erschreckend hohe Zustimmungswerte. Antisemitismus gab es schon immer in Deutschland, den Holocaust haben die Deutschen zu verantworten, die Schuldfrage wird im Kontext von Abhängigkeitsverhältnissen nicht gestellt. Die Mitte-Studie, ähnlich wie die Untersuchungen „Opa war kein Nazi“ von 2002 und „Trügerische Erinnerungen“ vom letzten Jahr, zeigt, dass wir uns einer Illusion hingeben, wenn wir davon ausgehen, dass der Geschichtsunterricht gegen Rechtsextremismus immun macht. Auch die Keks-Erbin Verena Bahlsen, die erst kürzlich sagte, dass die Zwangsarbeiter*innen während des Nationalsozialismus von der Firma Bahlsen gut behandelt worden seien, ist ein gutes Beispiel dafür. Wir brauchen ein Geschichtsbewusstsein und einen Kampf gegen Antisemitismus, die über den Geschichtsunterricht und Schule hinausgehen und da müssen wir Jusos Rheinland-Pfalz ansetzen. Zwei Jahre habe ich unsere Bildungskommission geleitet und wir haben dieses Thema auf die Agenda gesetzt. Die Erinnerungskultur kennt viele Facetten und nicht alle Sparten, wie Musik, Literatur, Videospiele oder Social Media, werden historisch wahrgenommen. Lasst uns das ändern und auch hier gemeinsam ans Werk gehen!

Ich freue mich über Eure Fragen, Anregungen und Euer Vertrauen bei der Wahl zur Kandidatin als stellvertretende Landesvorsitzende!

Eure Kathleen