Zum 50. Todestag Fritz Bauers

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Vor 50 Jahren, am 01. Juli 1968, starb der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer. Seitdem sind 18.262 Tage vergangen und das Erbe Fritz Bauers wächst mit jedem einzelnen davon. Gegen alle Widerstände setzte der Generalstaatsanwalt den Rechtsstaat durch, stellte ehemalige SS-Männer wegen hundertausendfachen Mordes vor Gericht und ermöglichte so den ersten der sogenannten „Auschwitz-Prozesse“, über 20 Jahre nach den grausamen und menschenverachtenden Verbrechen des NS-Regimes.

Sein Engagement für die Durchsetzung des Rechtsstaats fiel in eine Zeit, in der die Verbrechen des Dritten Reichs vertuscht und in denen wichtige Ämter mit ehemaligen NS-Funktionären besetzt wurden. Gleichzeitig erstarkten neue rechte Kräfte in der Bundesrepublik Deutschland: „Aber wir wissen, wie anfällig Menschen sind für große Worte“, so Fritz Bauer am 08. Dezember 1964 in der Sendung „Heute Abend Kellerklub“, einer Sendereihe des Hessischen Rundfunks. Anlass für die Diskussionsrunde gab die Gründung der NPD zehn Tage zuvor, am 28. November.

In diese Zeit fiel der erste Auschwitz-Prozess, der im Dezember 1964 bereits ein Jahr lief und im August 1965 zu Ende ging. Dieser Prozess ist deshalb so bedeutend, weil er von der deutschen Justiz initiiert worden war, in der Bundesrepublik stattfand und durch ihn die deutsche Gesellschaft erstmals mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wurde.

Abgesehen von wenigen lokalen Initiativen der Auseinandersetzung herrschte in der bis dahin CDU-regierten Bundesrepublik Schweigen und Verdrängung. Menschen, die im „Dritten Reich“ Karriere machten, konnten dies unbehelligt weiter tun, die Wiedergutmachung verlief schleppend bis gar nicht, die Mehrheit des Bundestages verlangte die Verjährung der NS-Verbrechen und das heutige Grundlagenwerk zur Erforschung des Holocausts „Die Vernichtung der europäischen Juden“ von Raul Hilberg aus dem Jahr 1961 erschien erst 1982 in deutscher Sprache. Dass das Ansinnen Fritz Bauers – die Selbstaufklärung der deutschen Gesellschaft mittels juristischer Verfahren – wesentlich zur Aufarbeitung des Holocausts in Deutschland beigetragen hat, ist sein Verdienst. Das Wirken des Sozialdemokraten wurde auch international gewürdigt, unter anderem im Oktober 2017, als die Verfahrensunterlagen und Tonbandaufnahmen des ersten Auschwitz-Prozesses zum Weltdokumentenerbe erklärt wurden.

Wir als Jusos Mainz sehen uns in der Pflicht, das Andenken dieses starken und sich gegen alle Widerstände durchsetzenden Demokraten zu bewahren und seinen Kampf gegen den Nationalismus und Chauvinismus fortzuführen.